Symphonieorchester Warendorf

 

    Symphonieorchester Warendorf

12. Symphoniekonzert am 3. 3. 2018
Ludwig van Beethoven: Ouvertüre zum Trauerspiel „Egmont“ Op. 84
Joseph Haydn: Konzert für Klavier und Orchester in D-Dur
Op. 21
Antonin Dvorak: Symphonie Nr. 9 (Aus der neuen Welt) in E-moll Op. 95
von Dr. Ekkehard Gühne; Bilder: Axel Engels

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Bereits zum zwölften Male präsentierte am späten Samstagnachmittag das Symphonieorchester Warendorf unter der Stabführung von Michael Lempik mit einem anspruchsvollen Programm. Sein stattliches Stammpublikum, das im Laufe der Jahre eher gewachsen ist, durfte im „Theater am Wall“ darauf vertrauen, dass die Begeisterung der Musiker, verbunden mit hohem musikalischen Können, ihm ein Erlebnis bescheren würde, das manche routinierte Orchester nicht zu bieten haben.

Daran änderten auch nichts die besonderen Schwierigkeiten im Vorfeld, nimmt doch die Grippe keine Rücksicht auf Musiker; da trifft ein Orchester viel härter der Tod zweier Mitglieder (Frank Wiedeler und Waltraud Muth), derer zu Beginn des Konzertes gedacht wurde.

Als Ouvertüre diente dann eine tatsächliche Ouvertüre, nämlich die zu Goethes „Egmont“, welche Beethoven zu Papier brachte. Sie durchweht ein Hauch von Tragik, sie lebt aus dem Gegensatz beinahe martialischer Streicherklänge und weicher Bläsermotive, so dass unser Orchester verschiedene Facetten seines Könnens geschickt einbringen konnte.

Auf einer anderen Ebene bewegte sich Joseph Haydn mit seinem Klavierkonzert in D-Dur. Dass er trotzdem in seiner Art neben Beethoven bestehen konnte, war auch ein besonderes Verdienst des Solisten, Holger Blüder, in der Musikschule Beckum-Warendorf kein Unbekannter.

Er suchte keinen Tiefsinn, wo keiner zu finden ist, sondern stellte den galanten Grundton des Werkes heraus und machte deutlich, wie geistreich auch das Heitere sein kann. Mit weitem Atem ließ er das „Un poco Adagio“ aufblühen, verlor sich nicht in den Kadenzen und sorgte im abschließenden Rondo auch für etwas Feuer, würzt doch Haydn selbst sein Kabinettsstückchen mit ungarischer Folklore. – Da war es beinahe verständlich, dass unser Solist mit einem „Feuertanz“ von Manuel de Falla außerplanmäßig noch einen „draufsetzte“.

Ein Tscheche in New York, da kann musikalisch etwas herauskommen, wenigstens im Falle von Dvorak. Seine Symphonie „Aus der Neuen Welt“ sollte Höhepunkt des Konzertes werden und wurde es auch dank einer hervorragenden Gesamtleistung des Orchesters, das sich von diesem „Brocken“ nicht einschüchtern ließ.

Dvorak verarbeitet auch einige Motive, die er jenseits des Atlantiks kennenlernte, manches speist sich aber auch aus seiner böhmischen Heimat. Ohne dass er den Rahmen der Symphonie als Form sprengt, entsteht aus seinem melodischen Erfindungsreichtum heraus ein feines Klanggewebe, das allen Instrumentengruppen viel abverlangt. Mit höchster Konzentration gingen die Musiker diesen Linien nach und machten verständlich, warum dieses Werk bis heute nichts von seiner Lebenskraft eingebüßt hat.

Für den herzlichen Beifall bedankte sich das Orchester mit einer Zugabe, die in ruhiges Fahrwasser zurückführte.

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Konzertkritik zum 12. Symphoniekonzert aus den WN-Warendorf
von Axel Engels

Schon beim Neujahrskonzert des Symphonieorchesters der Musikschule Beckum-Warendorf hat Holger Blüder als Dirigent seine ganzen Qualitäten zeigen können, den Liebhabern feinster orchestraler Musik ein inspirierendes Musikerlebnis geschenkt. Holger Blüder ist aber nicht nur ein versierter Dirigent, sondern auch ein renommierter Konzertpianist. Dies zeigte er am Samstag dann beim nunmehr 12. Symphoniekonzert des renommierten Symphonieorchesters Warendorf unter dem profunden Dirigat seines langjährigen Leiters Michael Lempik im restlos ausverkauften Paul-Schallück-Saal des Theaters am Wall, bei dem er als Solist in Haydns Klavierkonzert D-Dur auftrat.

Michael Lempik am Dirigentenpult, wusste sofort bei der Ouvertüre zum Trauerspiel „Egmont“ aus der Feder Ludwig van Beethovens einen sehr farbenreichen Orchesterklang zu kreieren. Mit seinem stringenten Dirigat konnte er diesem bekannten Werk ein klangvolles und wohl differenziertes Gewand verleihen. Das Symphonieorchester Warendorf konnte diesem erschütternden Trauermarsch mit leidenschaftlicher Spielweise einen strahlenden Glanz verleihen.

Mit dem „Konzert für Klavier und Orchester D-Dur op.21“ von Joseph Haydn hatte Holger Blüder wohl eines der schönsten und facettenreichsten Werke dieser Gattung ausgewählt. Joseph Haydn hat in diesem Konzert das gesamte Spektrum der instrumentalen Möglichkeiten des Klaviers genutzt, dadurch natürlich auch dem Solisten den nötigen Freiraum zur Entfaltung seiner ganzen pianistischen Qualitäten geschaffen.

In den innigen Dialog zwischen Solopart und Orchester sind immer wieder korrespondierende Passagen eingefügt, dadurch ist ein ganz facettenreiches Werk mit jeweils unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Sätze entstanden.

Mit kräftigem Ansatz und wohl eingesetzter Virtuosität gestaltete Holger Blüder den ersten Satz, ganz der Bezeichnung „Vivace“ folgend. Das eingängige Hauptthema gestaltete er sehr lebendig, wusste mit exquisiter Anschlagskultur seinen Part mit Esprit und Leidenschaft zu gestalten. Immer stimmte der Dialog zum Orchester, selbst kleinste Details waren stilistisch adäquat ausgeführt. Im langsamen Mittelsatz zeigte sich Holger Blüder von einer sehr lyrisch-poetischen Seite. Innig und inspirierend ließ er die Melodie in all ihrer Schönheit erklingen, gleichsam gesanglich fasste er diesen Satz auf. Dabei wurde er vom Orchester perfekt unterstützt, das sich klanglich sehr zurück nahm, ganz seiner Rolle als begleitendes „Kammerorchester“ entsprechend. Im dritten Satz konnte Holger Blüder seiner Virtuosität und Spielfreude freien Lauf lassen. Dieser mit „Nationalkolorit“ bereicherte Satz mit der Bezeichnung „Rondo all’ Ungharese“ erklang bei aller Leidenschaftlichkeit mit der passenden Eleganz und Grazie.

 Nach der Pause erklang dann ein weiterer „Meilenstein“ symphonischer Kunst. Die „Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“ von Antonín Dvorak erfüllte den Saal mit ihren wohl jedem Besucher bekannten Melodien. Bis ins kleinste Detail hatte sich das Orchester unter dem Leiter Michael Lempik bei der Vorbereitung mit diesem Werk beschäftigt, so dass eine jederzeit stimmige Interpretation gelang. Das Orchester konnte die in Musik gesetzten Stimmungen und Gefühle jenseits des reinen Notentextes mit Bravour zum Leben erwecken, schenkte dem Publikum damit ein mitreißendes Musikerlebnis.