Symphonieorchester Warendorf

 

    Symphonieorchester Warendorf

Stimmungen und Schwingungen

Bericht vom Konzert am 21. 4. 2013 aus den Westfälischen Nachrichten, Warendorf
von Karl Hermann Schlosser

Im voll besetzten Theater am Wall überzeugte das Symphonieorchester Warendorf unter Leitung von Michael Lempik das Publikum – darunter auch viele jüngere Besucher – mit einem beeindruckenden großen Konzert.

Am Anfang stand das wohl populärste Werk des großen finnischen Komponisten Jean Sibelius, „Finlandia. Sinfonisches Gedicht für Orchester“ op. 26. Dr. Winfried Grohe hatte die Zuhörer zuvor mit interessanten Wissensdetails ausgestattet.

 So erinnerte er daran, wie das Werk dank seines besonderen Charakters, der politischen Hintergründe und Wirkungsgeschichte zur „geheimen Nationalhymne“ Finnlands wurde. Wesentlich „harmloser“, mit heiterer Leichtigkeit, ging es mit dem Trompetenkonzert in Es-Dur des Mozart-Schülers Johan Nepomuk Hummel weiter. Die 17-jährige Solistin Juliana Rolf zeigte ein beachtliches spielerisches und musikalisches Niveau und glänzte besonders im Finalsatz.

Dann das „Highlight“ des Konzerts, die Uraufführung des „Lettera d’amore“ für Streichorchester von Antonio Amoroso – in Anwesenheit des Komponisten. Wer vielleicht mit einem gewissen Bangen schwerverständliche „zeitgenössische“ Musik erwartet hatte, wurde alsbald eines Besseren belehrt.

Hier wurde ein wahrhafter „Liebesbrief“ in angenehmer Tonsprache vorgetragen, die unmittelbar verstanden werden konnte. Unterstützt durch ständig neue sanfte Modulationen wurde der „Brieftext“ in zarte Stimmungen und sensible Schwingungen umgesetzt, die unmittelbar eingingen.

Dann das Finale – nach der Pause und einer herzerfrischenden „entmythologisierenden“ Einführung Dr. Grohes in Ludwig van Beethovens legendäre 5. Sinfonie in c-Moll op. 67, die sogenannte „Schicksals-Sinfonie“ („So pocht das Schicksal an die Tür“). Nach Grohes treffenden Worten könne man Beethoven als einen „Architekten“ verstehen, der mit bestechendem Formempfinden sein Werk „gebaut“ hat.

Hier steigerte sich das Laienorchester zu einem großartigen Klangkörper, der es mit manchen professionellen Sinfonieorchestern durchaus aufnehmen kann.

Michael Lempik bestach durch sein präzises, unaffektiertes Dirigat, das von den Orchestermitgliedern sehr gut aufgenommen wurde. Hin- und mitreißend besonders der grandiose Schlusssatz der Sinfonie! Mit tosendem Applaus quittierte das Publikum die Herausragende Leistung und erzwang noch eine Zugabe.

Mit der Wiederholung des Schlussteils von „Finlandia“ übertrafen sich die Warendorfer Symphoniker am Ende noch einmal selbst.